Sie machen sich keine Vorstellung!
Folgende Sammlung von Notizen und Bildern erlaubt Ihnen einen tieferen Einblick in meine Arbeit.

Wissen Sie eigentlich was es bedeutet Skulpturen zu schweissen? Nix mit ein bisschen Ton kneten / in Gips modellieren und dann husch zur Massenwaren-Manufaktur, sprich Giesserei gehen und auf einem Zettelchen die gewünschte Anzahl “Werke” bestellen. Nein. (Ich weiss natürlich, dass nach der verlorenen Form auch Unikate entstehen.) Was Sie vermutlich annehmen hat mit meiner Arbeit wenig zu tun. Das können Sie auch nicht wissen. Eine “Methode” gibt es nicht. Ich bin im Laufe der Jahre unter zig Versuchen, (und das waren viele), selbst darauf gekommen. Das Grundprinzip ist einfach. Man erhitzt Eisen auf über 1500 Grad C und formt dann die Schmelze zu einer Skulptur. Und wo ist der Haken? Da gibt es viele. Was nun folgt ist eine Auflistung der dabei Herausforderungen.

Eisen schmilzt sehr unterschiedlich.
Erst nach Jahren ist es mir gelungen, die Temperaturen einigermassen im Griff zu haben. Kaltes Eisen leitet die Hitze der Flamme sehr unterschiedlich weiter. Je nach Grösse und Form des Rohlings erhitzen sich die Partien extrem unterschiedlich. Entsprechend erfordert es höchste Aufmerksamkeit, um nicht Bereiche wegzuschmelzen die bereits “fertig” sind. Analog dazu wird es mit bereits unterschiedlich erhitztem Eisen natürlich nicht einfacher. Hier sieht man die Problematik der Temperatur sehr anschaulich.

Vorsicht!
“ Gefahren “
- Explosionsgefahr der Gasflaschen bei nicht vorschriftskonformen Transport und Lagerung.
- Äusserst kurzlebige Brenner und Düsen. Den Rekord halte ich mit einem Brenner Nr. 7 (Stückpreis ca. 32 CHF) der nach nur 2 Minuten und 40 Sekunden Verwendung explodierte.
- Knallgas in den Schläuchen
- Verbrennungen durch herumgeschleuderte Schmelze (ca. 3000 Grad C.) an Händen/ Füssen und Gesicht.
- Knalltraumen bei Acetylen Überschuss
- Rückenverletzungen durch die ewige Schlepperei der schweren Gasflaschen. (Pro Paar 154 KG mal Anzahl Auswechslungen= durchschnittlich 1,8 Tonnen pro Monat.
- Schädigung des Augenlichts durch unbeabsichtigtes Gucken in die Flamme.
“Kosten”
- Miete für Gasflaschen
- Jährliche Auswechslung der Schläuche und Sicherheitsventile
- Unterhalt eines geeigneten Transporters (muss sehr gut belüftet sein, ich habe einen Pickup).
- Feuerlöscher
- Monatliche Erneuerung der Brenner und Düsen
- Verschleiss an Werkzeugen im allgemeinen. Ich bin wohl der einzige Schweisser der regelmässig seine Werkzeuge, Hammer Meissel und Zangen unabsichtlich einschmelzt.
- Sicherheitsbekleidung / Rollmaterial / Maschinen / Trennscheiben…
- Einkauf von Stahl / Kupfer /Legierungen / Zusätze
- Säuren / Oxyde / Wachse / Email / Wasserstoffperoxyd…
- und nicht zuletzt den täglichen Bedarf an Gas. Dieser kann pro Monat in die Tausende CHF gehen!

Man muss planen.
Natürlich würde ich gerne betonen, dass ich einen Plan habe. Doch dem ist nicht so. Sicher- eine gewisse Vorstellung hilft sehr. Doch die auftretenden Schwierigkeiten lassen mich oftmals abschweifen. So entsteht eine mögliche Lösung, die zu der sich bereits in Arbeit befindlichen Skulptur gar nicht mehr passt. So komisch das klingt, aber manchmal ändere ich dann die ganze Arbeit. Da kann es vorkommen, dass ich ein Rückgrat oder sonst einen Körperteil vollständig vom Rumpf trenne und danach neu einarbeite.

Erst wenn die Disharmonie sichtbar wird weiss ich, wie ich die Harmonie herstellen kann.
“Das Eisen auf einen Haufen zu schmelzen ist die eine Sache. Daraus eine Skulptur zu formen die mich bewegt, eine völlig andere.”
Es gibt Tage…
Es gibt Tage da scheint alles verloren. Wenn ich nach 8 Stunden schweissen noch immer nichts brauchbares habe, wenn von der tagsüber entstandenen Skulptur abends bloss noch ein Eisenklumpen übrig geblieben ist, dann bin ich verzweifelt!

“Viel zu schnell wird die Skulptur einfach nur schön. Diese Gewöhnlichkeit ertrage ich kaum. Deshalb sind mir die destruktiven Phasen die liebsten. Diese erst machen die Skulptur aussergewöhlich!”
Ich arbeite mit den Augen.
Ich arbeite “nur” mit den Augen. Der klassische Bildhauer kann seine Werke zu jeder Zeit anfassen. Ob er in Stein meisselt oder mit Gips/Ton arbeitet. Er kann seine entstehenden Formen ertasten! Er fühlt den Unterschied zwischen dem was da ist und dem was er sich vorstellt . Und ich? Jede Berührung meines Werkes während der Arbeit endet in schlimmen Verbrennungen. Natürlich kann ich die Skulptur auskühlen lassen und die Form genauso erfühlen und begreifen. Doch wo käme ich da hin? Heizen, heizen, heizen…Also bleibt mir nur die visuelle Wahrnehmung.

Erst wenn Kritik und Kommentar schei..egal sind, kann man endlich Kunst machen!
Warten auf Patina.
Neben den formalen Aspekten beschäftige ich mich intensiv mit den Oberflächen meiner Skulpturen. Was der Laie einfach als Rost bezeichnet ist in meiner Welt ein langjähriges Forschungsprojekt. Welche Farbe hat Rost? Wussten Sie, dass es umweltbedingte Farbnuancen gibt, die von Karminrot über Purpur und Orange bis Kadmiumgelb reichen? Doch wie erzeugt man diese? Der einfachste Weg wäre, die Eisenskulpturen über mehrere Jahre rund um den Globus verteilt, in die Landschaft zu stellen. Je nach Region findet der Oxidationsprozess unterschiedlich statt. Wenn Touristen sich über den Schrott in der Landschaft aufregen, bedeutet dies für mich Bodenbeschaffenheit, Pflanzenarten und Wetter zu studieren. Oftmals finde ich so Hinweise für meine nächste Rezeptur.

“Die Idee, im Voraus zu wissen was gut aussehen wird und was nicht, ist eben nur eine Idee!”
Ich habe jetzt den Stärksten!

Auf der Suche nach einem Brenner der ein X-faches meiner bisher verwendeten Modelle an Wärmeleistung zu erzeugen vermag, bin ich vom Kundenberater der CARBAGAS auf dieses Teil aufmerksam gemacht worden. Die Leistung und der Verbrauch sind beeindruckend. Bisher bewegte ich mich in einem Bereich um die 28500 kj= 10.3 PS. Neu stehen mir unglaubliche 141500 kj = 53.5 PS zur Verfügung. Im vergleich dazu: mein 2CV 1961 hat gerade mal 23 PS!

2CV 1961
Ein paar Gläser Rotwein helfen manchmal sehr. Ein paar zuviel gar nicht mehr…
Es gibt Verhältnisse die man mit den Jahren einfach im Griff hat.
Das Problem dabei ist, dass man von da an jede Abweichung als “Fehler” empfindet. Doch wenn ich diese “Fehler” nicht zulasse, findet auch keine Entwicklung statt. Es ist legitim, dass zwischen Altbewährtem und Neuen auch einmal eine unbefriedigende Kreatur entsteht. Vielleicht geht es zuerst aber auch nur um das Motiv. Es gilt die Proportionen mit all den gewünschten Verzerrungen zu treffen. Beim Aufbau des Volumens zeigt sich dann ob das Motiv oder die Skulptur die Oberhand gewinnt. Ich gebe es gerne zu. Das Motiv ist mir persönlich immer noch viel zu lange präsent. Ich weiss aber auch, dass die Skulptur sich immer durchsetzten wird. Egal wie stur oder verzweifelt ich bin. Einfach weitermachen und tun was man tun muss.

Als Künstler brauche ich keine Redner. Ich habe schon genug Stimmen in mir, die es totzuschlagen gilt!
Schweissen bei – 11 C *
Da stosse ich an die Grenzen der Technik. Acetylen kann bei Minus Temp. nicht mehr gelöst werden. Das bedeutet, dass ich die Flaschen ab Depot zuerst im Atelier auf Raumtemp. bringen muss. Das dauert gut und gerne 24 Stunden. Erst dann ist es mir möglich die Flasche anschliessend draussen in Betrieb zu nehmen. Es geht, dauert aber seine Zeit.
(Nachtrag 7. Februar 2012: Bin bei - 15 C * angelangt! )

minus 11 C *
